Corona-Krise: Social Media kann auch sozial

Das Internet bringt uns gerade wieder näher zusammen. Die Corona-Krise zeigt: Social Media kann also doch auch sozial. Wie können NGOs da ihren Beitrag leisten? Was sollen Redakteur*innen jetzt posten? Und: Wollen wir Social Media eine zweite Chance geben?

Klar, zum Corona-Virus gibt’s in den Social Media wilde Verschwörungstheorien, Falschmeldungen und Panikmache. Auch du hast sicherlich allerlei Gerüchte zur Corona-Krise über WhatsApp bekommen oder in deinem Facebook-Feed entdeckt. Aber: Gleichzeitig hast du sicherlich auch Fenstermusikant*innen, Nachbarschaftsinitiativen und Hilfs- und Solidaritäts-Aktionen auf Facebook, Instagram und Twitter gesehen. Unter dem Hashtag #NachbarschaftsChallenge bieten etwa User*innen älteren Mitbürger*innen Hilfe beim Einkauf an.

Social Media sind vielerorts – und mitunter zurecht – als Platz für Hetze, Zwietracht und Spaltung verschrien. Doch jetzt in der aktuellen Corona-Krise helfen sie uns plötzlich Solidarität und Zusammenhalt zu zeigen. Das Internet bringt uns gerade wieder näher zusammen. Social Media kann also doch auch sozial. Auch für Unternehmen und vor allem für Hilfsorganisationen und öffentliche Stellen werden die Social-Media-Kanäle jetzt in der Krise zum bestimmenden Kommunikations-Tool.


Wie können Hilfsorganisationen Social Media in der Krise nutzen?

Gleich vorweg: Wer in Krisenzeiten auf Social Media nicht reagiert, sondern weiter das normale Programm fährt, dem ist nicht mehr zu helfen. Vergesst alle geplanten Postings, jetzt geht es (mehr noch als sonst auch) darum, das Vertrauen der Follower*innen in die Organisation zu stärken bzw. zu behalten, indem man Content bietet, der auf die aktuellen Bedürfnisse der User*innen abzielt. Und niemand interessiert sich gerade für eine Vernissage zugunsten Blabla oder ein EU-Projekt für XY in sonstwo. Was interessiert: die Corona-Krise.

Hilfsorganisationen, Vereine oder Unternehmen können ihre Social Media-Kanäle nutzen, um ihren Followern diesen Zusammenhalt zu vermitteln und zu zeigen, welchen Beitrag ihre Mitarbeiter*innen und Unterstützer*innen dabei leisten. Je nach Kernkompetenz, Arbeitsfeld und Mission können sie mit ihren Botschaften informieren, aktivieren, vernetzen oder einfach nur Mut machen. Drei konkrete Möglichkeiten:

1. Informieren & praktische Tipps bieten

Hier geht’s um größtmöglichen Nutzwert. Es gilt Fragen zu beantworten wie: Wie kann ich mich und andere schützen? Wo finde ich Hilfe, wo zuverlässige Informationen? Was kann ich ganz konkret tun? Wer die Expert*innen nicht im Haus hat, kann auf vertrauenswürdige Quellen verweisen. FAQs lassen sich für Social Media am besten in Form von Infografiken aufbereiten. Diese machen Infos auf einen Blick verständlich und werden ungleich öfter geteilt. Das Rote Kreuz nimmt seine Rolle als der vertrauenswürdigste Ansprechpartner in Sachen Gesundheit hier entschieden wahr und veröffentlicht Infografiken mit ganz konkreten Tipps. (Und wir unterstützen sie sehr gern bei der Erstellung der Infografiken.)

Die Wiener Marien Apotheke informiert gehörlose Kund*innen in Gebärdensprache.
Das Österreichische Rote Kreuz nutzt Infografiken, um Follower*innen während der Corona-Krise zu informieren.

2. Engagement von Helfer*innen/Mitarbeiter*innen zeigen

Erzählen wir die Geschichten von Essensverteiler*innen, Obdachlosenhelfer*innen, Pfleger*innen, Zivildienern und Freiwilligen. Helfer*innen zu zeigen, soll Mut machen und Leute motivieren, nach Möglichkeit selber auf andere zu schauen. Dabei müssen Social Media-Redakteur*innen nicht mal raus aus dem Home office (bleibt daheim!). Um zusätzlichen Kontakt zu vermeiden, kann die/der Protagonist*in ihre/seine Arbeit selbst mit dem Smartphone dokumentieren und im Selfie-Modus über Beweggründe reden. (Hier unsere Sheets mit allen wichtigen Tipps fürs Smartphone-Video.)

Die Caritas feiert Freiwillige und Zivildiener, die auch in dieser Zeit helfen.

3. Menschen miteinander vernetzen

Krisen lassen sich zusammen besser überstehen. Wenn persönlicher Kontakt nicht möglich ist, dann interagieren die Menschen noch mehr über Social Media. Organisationen können über ihre meist reichweitenstarken Kanäle einen Beitrag leisten. Sie können auf ihren Seiten Dialog und Austausch fördern – und moderierend einwirken. Sie können auf eigene Initiativen und Angebote hinweisen, vor allem aber auch auf andere Stellen verweisen. (Gruppen gründen, Veranstaltungen erstellen etc.)


Wo Fakten checken & wie selber berichten?

Bleibt das Problem mit den vielen Falschmeldungen und Panik-Postings. Ja, die größten Tech-Plattformen der Welt haben sich jetzt in einem gemeinsamen Statement zur Bekämpfung von Fehlinformationen und Betrug im Zusammenhang mit der Coronakrise bekannt. Zu den Unterzeichnern gehören unter anderem Facebook, Google, Microsoft und Twitter. Doch wer gleich für seine Follower (und sich selbst) Fakten checken will, kann das hier tun:

Wie kann man selbst verantwortungsvoll über das Coronavirus berichten?
Die schlaue Ingrid Brodnig verweist hier auf Tipps der Organisation First Draft:

  • Sensationalistische Sprache vermeiden
  • Stock Photos vermeiden, die Stereotype oder Panik befeuern
  • Das Spekulieren über Worst-Case-Scenarios vermeiden
  • Leser*innen mit konkreten Informationen versorgen, was sie tun können
  • Leser*innen zu offiziellen Stellen lenken, die Informationen verbreiten
  • Wissen, welche Fragen zu neuer Forschung wichtig sind
  • Mit mehr als einem Experten/einer Expertin sprechen
  • Nicht jedes Gerücht verdient Aufmerksamkeit
  • Wenn du über ein Gerücht berichtest, stell die richtige Information in die Überschrift oder den Tweet dazu
  • Mach komplizierte Information leichter verständlich
  • Vermeide herabwürdigende Sprache
  • Überlege, welche Fragen dein Publikum sich stellt, und beantworte diese
  • Inkludiere die Quelle, Zeitpunkt und Kontext bei Grafiken und Landkarten

Es liegt an uns: Geben wir Social Media eine zweite Chance!

All das bedeutet: Social Media muss und wird in der Kommunikation (endlich) einen höheren Stellenwert bekommen. Es wird intensiveren Austausch in den Kommunikations-Teams brauchen und geben. Für die Social-Media-Redakteur*innen heißt das: mehr Verantwortung. Und mehr Arbeit. 

Die digitale Vernetzung kann wirklich ein Segen sein. Social Media bekommt durch diese weltweite Krise möglicherweise eine zweite Chance. Überlassen wir die Plattformen nicht jenen, die nur destruktiv wirken. Social Media kann mehr sein als ein Tummelplatz der Krawallmacher und Hass-Hirnis, mehr als eine Werbefläche und ein Einkaufszentrum. Nachbar*innen können sich vernetzen, Initiativen können sich organisieren und die Zivilgesellschaft kann all das unterstützen und zeigen, welch wichtige Rolle sie in der Gesellschaft spielt.

Es liegt an uns User*innen, die Social Media zu sozialen Medien zu machen. Nutzen wir Facebook, Instagram, Twitter und Co (wieder) für unsere Zwecke, um uns zu vernetzen, um uns auszutauschen und: um uns gegenseitig zu helfen, wenn es einmal nicht so gut läuft.


Zur Info: Social-Media Management via Swat.io gibt’s jetzt kostenlos

Die Wiener Software-Firma Swat.io hat sich bereit erklärt, seine Cloud-Lösung für Social-Media-Management für NGO, Non-Profits, soziale Verein oder soziale Initiativen kostenlos zur Verfügung zu stellen. Sollten gemeinnützige und sozial orientierte Organisationen Bedarf an einem professionellen Social-Media-Tool für die Krisenkommunikation haben, können sie sich ab sofort an Swat.io wenden.


Zum Weiterlesen:

Beitragsbild: Graffiti von Streetartist iHeart.

Stefan Schauhuber

Macht nichts lieber, als die Geschichten von Menschen weiterzuerzählen. Stefan wirkt und werkt als Journalist und seit mehr als 10 Jahren für NGOs. Er schätzt das geschriebene Wort, das bewegte Bild und das kreative Hirn.

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