Filmen mit dem Smartphone: Tipps & Tricks

Die beste Kamera ist immer die, die man dabei hat. Und gerade für Social-Media-Videos braucht es nicht immer das teuerste Equipment. Mit diesen Tipps & Tricks gelingt das Filmen mit dem Smartphone.

Jede und jeder kann heute schnell und unkompliziert Videos machen. Einfach das Smartphone zücken, Kamera-App starten und filmen. Damit das Material auch gut genug ist, um deine Geschichten auf allen Kanälen wirkungsvoll erzählen zu können, hilft es, ein paar Kleinigkeiten zu beachten.

Die folgenden Tipps sind vor allem für Neulinge nützlich. Ich hab sie mir von wirklich fähigen Video-Expert*innen erzählen lassen bzw. hat mich grandioses Scheitern einige Kniffe gelehrt. Wie immer gilt: Gute Vorbereitung ist die halbe Miete. Und wer ohne Plan loslegt, wird sich beim Filmen mit dem Smartphone verrennen.

Für alle, die gern Papier in Händen halten und auch unmittelbar vor dem Dreh noch einen geschwinden Blick auf die Tipps werfen wollen, gibts diese hier auch gleich als PDF zum Download:


I. Die Vorbereitung: Konzept und Equipment

Vorbereitung heißt, die Geschichte planen und die Ausrüstung einsatzbereit machen.

1. Konzept: Nie ohne Plan losfilmen!

  • Was ist die Kernaussage?
    Welche Botschaft soll bei den Seher*innen ankommen? Formuliere die Kernaussage in einem Satz.
  • Was ist die Geschichte?
    Das Thema ist NICHT die Geschichte. Merke: Eine Geschichte braucht Protagonistin, Konflikt, Handlung/Wandlung.
  • Welche/r Protagonist*in?
    Pro Geschichte 1 Hauptakteur*in. Frag dich: Wer ist am besten geeignet?
  • Welche Szenen?
    Denke in Bildern. Überleg dir im Vorfeld, welche Aktion zu sehen sein werden und welche Szenen es braucht, es um die Kernaussage zu unterstreichen. In welchen Situationen muss der/die Protagonist*in gezeigt werden? Show, don’t tell!
  • Welche Emotionen?
    Wo lassen sich Emotionen festhalten – auch abseits des Interviews?
    Welche Situationen muss ich dokumentieren bzw. welche muss ich herbeiführen?

2. Equipment: Bereit für den Smartphone-Dreh

  • Lade das Smartphone auf & nimm zusätzlich eine volle Powerbank mit.
  • Räum Speicherplatz auf dem Smartphone frei und nimm ggf. noch USB-Storage mit.
  • Nimm ein Audio-Aufnahmegerät und ein Ansteck-Mikrofon mit (z.B. Zoom, Rode etc.)
  • Pack ein kleines Stativ ein. (ein paar Testberichte)
  • Überprüfe die Einstellungen in der Video-App (16:9, HD 4K/1080px)
  • Schalte das Smartphone in den Flugmodus. Du willst ja nicht durch Anrufe etc. gestört werden.
  • Mach eine Testaufnahme.

Jonah Plank mit ein paar zusätzlichen Tipps zu Technik & Equipment.

II. Der Dreh: Interview & Schnittbilder

Einfache, reportagige Bewegtbild-Geschichten brauchen (meist) zwei Zutaten: Interview-Aufnahme & Schnittbilder.

Beste Aufstellung bei Interviews beim Filmen mit dem Smartphone

1. Interview

  • Protagonist*in „briefen“: kurze Sätze, selbsttragende Antworten.
  • Kamera auf Augenhöhe positionieren.
  • Redakteur*in steht dicht neben Kamera. (Wenn du alleine bist, stehst du neben deinem Stativ.) Interviewpartner*in sieht Redakteurin an (nicht in die Kamera!).
  • Einstellungsgröße Close-up (Schultern & Kopf); Person nicht zentral platzieren, Blick geht in die „offene“ Bildhälfte.
  • Nicht gegen das Licht filmen. Gegebene Lichtquellen nutzen, um das Gesicht auszuleuchten.
  • Audio:
    • Ohren auf beim Dreh! Auf Störgeräusche achten und Interview ggf. unterbrechen.
    • Handy, Wind, Lüftung, Plaudern, Musik etc. meiden.

2. (Schnitt-)Bilder mit der „5-Shot-Regel“

Von einer Szene bestenfalls immer 5 unterschiedliche Einstellungen filmen. Damit lassen sich die Aufnahmen im Schnitt dann stimmig zusammenfügen. Generell gilt:

  • Fokus auf 1 Protagonist*in
  • Keine Schwenks, d.h. Kamera in einer Position
  • Bilder werden immer mindestens 10 Sekunden aufgenommen

Die 5 W-Fragen:

Ein Beispiel für eine Totale Einstellung, sehr wichtig beim Filmen mit dem Smartphone

1. WO passiert etwas?
Totale & Halbtotale

Totale: Establishing-Shot verortet die Handlung. Halbtotale: zeigt „Wo“, „Wann“ und „Wer“, führt Person ein.

Ein Beispiel für ein Close-Up einer Person, sehr wichtig beim Filmen mit dem Smartphone

2. WER macht etwas?
Close-up der Person

Porträt-Einstellung, Gesicht oder nur Augen. Kein Kontext.

Ein Beispiel für ein Close-Up einer Aktion, sehr wichtig beim Filmen mit dem Smartphone

3. WAS wird gemacht?
Close-up der Aktion

Hände zeigen. Ganz nah mit der Kamera ran gehen.
Nur Aktion, kein Kontext.

Ein Beispiel für eine Halbtotale Einstellung, sehr wichtig beim Filmen mit dem Smartphone

4. WIE passiert etwas?
Halbtotale

Einstellung zeigt Person UND Aktion zusammen. Beispielsweise mit Blick über die Schulter.

Ein Beispiel für einen Beauty-Shot, sehr wichtig beim Filmen mit dem Smartphone

5. WOW – der „Beauty-Shot“

Ungewöhnliche Perspektive; z.B.: Kamera ganz tief/hoch, Blick in einen Spiegel; Licht und natürliches Framing nutzen; interessante Details zeigen.


III. Allgemeine Tipps fürs Filmen mit dem Smartphone

  • Halte das Smartphone beim Filmen im Querformat. Hochformat für Social Media-Formate lässt sich auch in der Postproduktion erstellen.
  • Halte das Smartphone ruhig. Also: Beide Hände verwenden, Ellenbogen am Körper anlegen, für sicheren Stand sorgen, Körperspannung und flach Atmen.
  • Nicht schwenken, nicht zoomen. Merke: Dein Zoom sind deine Beine.
  • Trau dich näher ran. Und „bleib drauf“. Auch wenn es anfangs unangenehm ist.
  • Bildaufbau beachten: Protagonistin etwas versetzt von der Mitte positionieren. Und: Vordergrund macht Bild gesund.
  • Ohne Licht kein Bild: Protagonistin/Objekt korrekt belichten. Natürliche Lichtquellen nutzen.
  • Bei Interviews zusätzliches Mikrofon verwenden. Am besten ein zusätzliches Aufnahmegerät.
  • Relax! Irgendwas geht immer schief.

Viel Spaß beim Filmen!


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Stefan Schauhuber

Macht nichts lieber, als die Geschichten von Menschen weiterzuerzählen. Stefan wirkt und werkt als Journalist und seit mehr als 10 Jahren für NGOs. Er schätzt das geschriebene Wort, das bewegte Bild und das kreative Hirn.

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