Mut zur Lücke

Mut zur Lücke: Auf Social Media pfeifen

Warum wir uns als cornucopia dagegen entschieden haben, Social Media zu verwenden, und warum wir anderen den gleichen Mut zur Lücke empfehlen.

Social Media ist überall! Und es ist langweilig. Facebook wird überschwemmt von bezahltem oder unbezahltem Content von Firmen, die uns zum Kaufen bringen wollen; auf LinkedIn hat mit Sicherheit noch nie jemand einen Job gefunden (korrigiert mich, wenn doch); auf Twitter wird ausschließlich schwadroniert.

Wir alle sollten deshalb regelmäßig einen kritischen Blick auf unsere Content- und Social-Media-Strategien werfen (wenn sie überhaupt existieren).

Für uns als Agentur ist es wichtig, Akquise zu betreiben. Deshalb haben wir uns Gedanken gemacht, wie das aussehen könnte, waren uns aber relativ schnell einig: Wir pfeifen auf Social Media.

Warum? Es genügt ein Blick auf die Geschäftsziele der Firma oder Organisation. Ausgehend von diesen Zielen kann ich definieren, wie meine Zielgruppe aussieht. Schon wird das Bild viel klarer: Wenn mein Ziel Kundenakquisition in einer ganz bestimmten, aus wenigen hundert Personen bestehenden Gruppe ist, wäre es Unsinn, eine Facebook-Seite zu erstellen. Wir konzentrieren uns lieber auf die eigenen Profile.

Social Media frisst Zeit, und Geld

Die Algorithmen von Facebook und Instagram belohnen Regelmäßigkeit und bestrafen fehlende Kontinuität, im Idealfall postet man einmal täglich. Daran bin auch ich schon gescheitert, weil es schlicht und ergreifend viel Aufwand ist und somit zeitliche und finanzielle Ressourcen frisst. Dass ich bei weitem nicht der Einzige bin, sieht man an den vielen Kanal-Leichen, die auf diesen Plattformen herumschwirren. Wenn Du diese Regelmäßigkeit, diese ständige Menge an Content, nicht leisten kannst, solltest Du vom Erstellen neuer Seiten absehen.

Für eine große Firma oder Organisation, die sich eigene Social-Media-Manager*innen leisten kann, mag die Ressourcen-Frage eine kleinere sein. Ich habe aber oft genug erlebt, dass auch hier der Mut zur Lücke fehlt. Wenn Du auf Facebook, Instagram, Twitter und YouTube aktiv bist, aber nirgends wirklich erfolgreich, solltest Du Deine Strategie hinterfragen. Hören wir auf, Trends nachzulaufen, die unseren Geschäftszielen nicht zuträglich sind.

Wir sollten auf die falschen Plattformen verzichten, die richtigen auswählen und diese auch ordentlich bespielen. Das heißt: regelmäßig für die Zielgruppe nützlichen Content veröffentlichen, Gespräche beginnen, menschlich sein, die eigenen Ziele im Fokus haben. Wir denken, dass das bei einigen unserer Projekten gut gelungen ist.

Owned vs. Social Media

Ich glaube zwar, dass es einen guten Mix zwischen „Owned“, „Paid“, „Earned“ und „Social“ Media braucht, Trotzdem bin ich ein Verfechter von „Owned Media“ wie Websites und Newsletter. Das hat verschiedene Gründe:

  • Owned Media sind die Grundlage für alle anderen Medien. Ads, gute Presse und viele geteilte Inhalte liefern kein wirkliches Ergebnis, wenn ich keine Website habe, auf die ich Nutzer*innen führen kann.
  • „Owned“ heißt: Die Inhalte gehören Dir. Das bedeutet, dass Du das Content Management System (CMS) deiner Website ändern kannst, ohne Deinen Content zu verlieren. Du kannst auch den Newsletter-Provider wechseln und Deine Mailing-Listen mitnehmen. Wenn Du aber von einem sozialem Medium auf das andere wechselst, musst Du von vorne beginnen.
  • Auf sozialen Medien gibt es Algorithmen, die bestimmen, wie viele Menschen ich erreiche. Aufgrund der Masse an Seiten, Nutzer*innen und Inhalten kann es schwierig sein, ordentliche Reichweiten zu bekommen. Oft ist es sogar unmöglich, ohne zusätzliches Geld für Ads meine eigenen Fans zu erreichen.
  • Social-Plattformen leben von unseren Daten und verkaufen diese. Das muss man wahrscheinlich akzeptieren, wenn man sich mit Content beschäftigt. Trotzdem glaube ich, dass das Bewusstsein darüber da sein muss und Kritik gegenüber den Internet-Giganten angebracht ist.

Also, Mut zur Lücke!

Ich bin überzeugt: Content und die Auswahl von Kanälen muss sich an den Zielen der Organisation orientieren. Die Basis einer Content-Strategie sind die Geschäftsziele. Sie sagen mir, welche Zielgruppen ich erreichen muss und somit, welche Kanäle in Frage kommen – und welche nicht. Diese Gedanken muss man sich machen, sonst tut man das, was gerade alle anderen machen (zum Beispiel schnell mal eine Facebook-Seite basteln und nie mehr bespielen).

Mut zur Lücke bei Social Media heißt, die richtigen Entscheidungen zu treffen und die falschen Kanäle wegzulassen. Dafür braucht es Verständnis für die möglichen Plattformen und ein wenig Zeit, die gut investiert ist.

Wichtig ist auch, dass man von alten Entscheidungen Abschied nehmen kann. Maßnahmen sollten regelmäßig getestet, evaluiert und adaptiert werden. Und auch hier wieder: Mut zur Lücke – wenn etwas nicht funktioniert, weg damit!

Weiterlesen: Erfolgreich mit wenig Budget für Facebook-Ads

Photo by Sammie Vasquez on Unsplash

Gregor Krenker

Mit Wurzeln im Journalismus hat Gregor den digitalen Auftritt der Caritas Österreich mitgestaltet - sowohl strategisch als auch redaktionell. Er kennt die Herausforderungen, vor denen Organisationen jetzt stehen. Und steckt voller Ideen, wie sie anzupacken sind.

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