Warum Imagevideos so langweilig sind – und wie KI den Finger in die Wunde drückt
Video-Content dominiert die sozialen Medien, doch Imagevideos sind so langweilig wie noch nie. Warum uns ausgerechnet die generative KI Druck macht, besser und authentischer zu werden, und welche Fehler wir dafür vermeiden müssen.
- Gregor Krenker
Ohne Übertreibung, und da sind wir uns sicher einig: Im Video-Bereich ist mit der Verbreitung generativer KI ein neues Zeitalter herangebrochen. Warum soll man als Unternehmen noch Geld in Video-Produktionen stecken, wenn es die künstliche Intelligenz kann? Diese Frage stelle ich als jemand, der von solchen Produktionen lebt.
Beim Content von Unternehmen und besonders bei Imagevideos bin ich mir sicher: Was vorher schon generisch war, kann durch generative KI ersetzt werden. Generischer Content geht in der immer stärker umkämpften digitalen Welt unter – full stop.
Also, Generative AI all the way? Nein. Um in den Köpfen hängen zu bleiben, braucht es vor allem eines: Echtheit. Authentizität ist die neue-alte Währung für Unternehmen, um wirklich Vertrauen aufbauen zu können. Um zu zeigen, ja, hinter unserer Marke stecken noch echte Menschen, mit allen Emotionen, die man haben kann, und mit ganz einzigartigen Geschichten.
Das Problem ist oft: Das Echte wirkt auf den ersten Blick langweilig, weil es den Alltag abbildet. Imagevideos haben einen faden Beigeschmack. Das liegt nicht daran, dass der Alltag fad ist, sondern daran, dass Imagevideos fast immer die gleichen Fehler machen:
- Sie lassen alle gleichzeitig zu Wort kommen.
- Sie zeigen die immergleiche Perspektive der Chefitäten.
- Sie verwenden Corporate Musik.
- Sie haben keine Dramaturgie.
- Sie erklären, anstatt zu zeigen.
- Sie sind ein Einmal-Ereignis, das verpufft.
Sehen wir uns an, wie man diese Fehler vermeiden und es besser machen kann.
Disclaimer: Wir haben als cornucopia alle Fehler schon selbst gemacht und begehen sie teilweise weiterhin.
„Was vorher schon generisch war, kann durch generative KI ersetzt werden.“
Fehler #1: Zu viele Stimmen kommen zu Wort
Bei Imagevideos haben Unternehmen oft das Gefühl, dass möglichst alle in einem 3-Minuten-Video zu Wort kommen müssen. Es muss alles gesagt werden, es muss alles erklärt werden. Verständlich – man nimmt Geld in die Hand, und dann soll uns das Imagevideo auch ordentlich darstellen.
Das Problem ist: Da bleibt einfach nichts hängen. Es fällt uns als Menschen viel leichter, die Geschichte einerPerson zu verfolgen. So haben wir es gelernt, denn so funktioniert Storytelling im Film, in Büchern, im Theater – und auch in Imagevideos.
Bei der Produktion eines Imagevideos muss man mutig genug sein, eine Person als Protagonistin oder Protagonist zu wählen. Denn wir identifizieren uns mit ihr und ihrer Geschichte, und nur so bleiben wir dran und es bleibt etwas hängen.
Das bedeutet natürlich nicht, dass andere nicht vorkommen dürfen. Aber sie sind Teil der Welt, nicht der Erzählinstanz.
Unsere Lösung:
- Mutig sein und auf eine Person fokussieren.
- Protagonist:in auswählen und in deren Geschichte eintauchen.
- Wenn es mehr Stories gibt, mehr Stories erzählen, aber nicht in einem einzelnen Imagevideo.
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Ein schönes Beispiel, ganz weit weg vom Produkt: die Nonna Wisdom Serie von Gratsi Wine.
Fehler #2: Die immergleiche Perspektive
Fehler Nummer 2 kommt aus einer ähnlichen, guten Intention: Man will das ganze Spektrum des Unternehmens im Imagevideo abbilden. Wer hat den besten Überblick über alle Bereiche? Der CEO, die Geschäftsführerin, die Chefin. Wir lassen sie sprechen. Und das ist langweilig.
Management-Aufgaben und Computer-Arbeit sind schlicht keine spannenden Bilder. Was es braucht, sind Menschen, die etwas mit ihren Händen machen, die in der Werkstatt arbeiten, oder mit anderen Menschen. Dieser Perspektiv-Wechsel muss sein, um eine spannende Geschichte zu erzählen. Dafür braucht es eine starke Person und starke Bilder. Vor dem Computer und in Besprechungen zu sitzen, zählt nicht dazu, I’m sorry.
Wenn es diese Bilder nicht gibt, kreativ werden mit der Perspektive! Ein paar schnelle Ideen:
- Ein Einkauf aus Sicht einer Kundin
- Die Produktion aus Sicht des Produkts
- Der Alltag eines Objekts im Büro
- Die Story des Bürohunds
- Die Perspektive eines Lehrlings in Ausbildung
Im Idealfall gehen wir noch weiter weg vom Produkt und den Mitarbeiter:innen selbst, sondern erzählen vom Lebensgefühl, das die Marke ausdrückt. So wird ein Imagevideo von einer Beschreibung zu einer Erfahrung.
Unsere Lösung:
- Weg vom CEO-Interview
- Perspektive wechseln
- Kreativ werden! Nicht nur Personen, auch Tiere, Objekte, Produkte.
- Einen Schritt weiter gehen – weg vom Produkt, hin zum Lebensgefühl, das die Marke ausdrückt
Finger weg: das eigene Genre Corporate auf der Musik-Plattform Epidemic Sound.
Fehler #3: Generische Corporate-Musik
Für unsere Post-Produktion verwenden wir riesige Musik-Bibliotheken und nehmen uns viel Zeit für das Aussuchen der passenden Songs. Beim Anblick der Musik-Bibliothek Epidemic Sound muss ich manchmal lachen, weil es ein eigenes Genre „Corporate“ gibt. Das ist eine mittelmäßig produzierte Soft-Rock-Musikrichtung, die so oft in Imagevideos verwendet wurde, dass sie ihr eigenes Genre bekommen hat.
Auch hier: eine gute Intention, die Musik soll ja nicht zu sehr stören. Das Problem ist, Corporate-Musik klingt generisch, und jeder spürt es. Und generischer Sound bedeutet, dass es wie KI und damit nicht echt wirkt.
Unsere Lösung:
- Mutig sein.
- Alle Musikrichtungen sind erlaubt – auch Ausgefallenes wie UK Garage, Motown oder Synthwave.
- Alle Stimmungen sind erlaubt, wenn sie die Dramaturgie unterstützen.
- Nicht zu viel Tränendrüse, nicht zu viel Piano- und Gitarrengeklimper. Ausnahme, ganz selten: Es handelt sich wirklich um ein dramatisches Thema.
- Man darf auch Vocals hören.
- Hochwertige Musikbibliotheken wie Epidemic Sound nutzen.
- Gutes Auswahlkriterium: Würde ich den Song freiwillig daheim anhören?
Fehler #4: Keine Herausforderung, keine Dramaturgie.
Speaking of Musik: Ganz schlimm, ein Song geht das ganze 2-Minuten-Video lang durch. Da sprechen ein paar Chefitäten darüber, wie toll alles ist. Das war’s. Was fehlt? Die Dramaturgie.
Dramaturgie ist unfassbar schwer, keine Frage, aber umso wirksamer beim Erzählen guter Geschichten. Sie bewirkt, dass Menschen dranbleiben und sich fragen: Wie geht das aus?
Ein simpler Kniff, um das zu erreichen, ist Protagonist:innen auszuwählen, die auch eine Herausforderung, ein Problem oder eine Aufgabe haben. Diese Herausforderung wird im Intro des Imagevideos platziert und erst gegen Ende aufgelöst. Ein klassischer Spannungsbogen wird aufgebaut.
Außerdem: Geschichten wollen auch durcherzählt werden. Wir müssen nicht um jeden Preis auf 60 Sekunden kürzen bzw. nur, wenn sich zumindest noch eine Story darin ausgeht. Oder alternativ: Wir lassen auch Langformate für YouTube und Website zu, und auf Social Media werden Teaser mit 60 Sekunden veröffentlicht, die Lust auf mehr machen.
Unsere Lösung:
- Protagonist:in mit einer Herausforderung wählen.
- Auch möglich: Jemand hat eine Aufgabe oder eine Reise vor sich.
- Nicht gleich alles auflösen und damit Spannungsbogen aufbauen.
- Der Geschichte Platz geben, nicht um jeden Preis auf 60 oder 90 Sekunden.
Fehler #5: Erklären, anstatt zu zeigen
Ich muss sagen: Das ist einer der Fehler, die wir als cornucopia weiterhin begehen, zumindest in Rohschnitten. Bei der Produktion von Imagevideos tendiert man dazu, alles erklären zu wollen, weil das Thema so spannend ist, wenn man vor Ort ist, und weil die Geschichte so viele Facetten hat.
Wir nehmen uns hier selbst an der Nase und besinnen uns darauf, was Video leisten kann: Dinge zeigen, die ein Text nur unzureichend beschreiben kann. Bilder auch mal stehen lassen, gemeinsam mit gutem Audio, was einen die Szene spüren lässt.
Im Gegenzug kommen Zahlen, Daten, Fakten raus. Denn so eine Story kommt fast nie allein daher – es gibt Posting-Texte oder eine Website, in der das Imagevideo eingebettet ist. Dort haben die Fakten ihren Platz und dort machen sie auch Sinn.
Unsere Lösung:
- Bilder und Audio sprechen lassen
- Zahlen, Daten, Fakten auslassen – die kommen in den Text
- auf Emotionen fokussieren
Fehler #6: Ein Imagevideo – und dann Stille
Die Zeiten haben sich geändert. Imagevideos werden produziert, und verpuffen dann im Äther. Ich würde davon abraten, viel Geld für ein Imagevideo auszugeben. Menschen haben nicht darauf gewartet und werden auch nicht danach suchen.
Es ist viel effektiver, aus diesem Imagevideo Kurzversionen im Hochformat zu schneiden, und diese zu verbreiten. Oder – noch besser – das Ganze nicht als ein Video zu denken, sondern als Serie.
Serien-Produktionen sind oft nicht viel teurer als einzelne High-End-Produktionen, weil der Impact sich im Laufe der Zeit kumuliert und vieles wiederverwertet kann:
- Erzählstruktur
- Animationen
- Intro oder Outro
Einzelne Stories können außerdem mindestens 5 Social-Media-Postings ergeben:
- zwei Video-Teaser mit 15-30 Sekunden
- eine Kurzversion mit 60 Sekunden
- ein Foto-Posting
- ein Carousel-Posting mit Text
Ja, Imagevideos kosten Geld, aber mit der richtigen Verbreitungs-Strategie haben sie eine unvergleichliche Wirkung.
Unsere Lösung:
- Kurzversionen und Teaser aus einem Imagevideo für Social Media schneiden
- Nicht ein Video produzieren, sondern eine Serie
- Mindestens 5 Social-Media-Postings aus einer Story basteln
- Eine Strategie für die Verbreitung des Videos mitdenken
Fazit – mehr Authentizität in generischen Zeiten
Im Zeitalter der generativen KI sollten sich Unternehmen bei der Produktion von Imagevideos dafür entscheiden, den Weg der Authentizität zu gehen. Doch echt zu sein ist nicht einfach. Denn es bedeutet, mutig zu sein, kreativ zu werden, neue Perspektiven zu wählen, auch Herausforderungen zu zeigen, Fakten wegzulassen, Emotion & Story reinzupacken.
Das macht ein gutes Imagevideo aus. Wenn man das auch noch regelmäßig in einer Video-Serie schafft und diese richtig verbreitet, kann man Aufmerksamkeit generieren, Vertrauen aufbauen, neue Mitarbeiter finden, die Marke etablieren. Klingt doch zu gut, um wahr zu sein, oder?